Kramermarkt im Kleinformat

Faszination Kirmes-Welt: Robin Hünecke baut das Oldenburger Volksfest im Modell
Die Schausteller kennen den Oldenburger längst. Für seine Modell-Eisenbahn baut er Buden und Fahrgeschäfte originalgetreu nach.

Von Brit München
modellrobin
Maßstab 1:160: Robin Hünecke baut am Modell des Oldenburger Kramermarkts. Festzelt, Eis-Konditorei und Fisch-Imbiss gibt es schon im Kleinformat.    Bild: Gert-Ullrich Rump

Oldenburg. Wenn sich an der Weser-Ems-Halle die Karussells zu drehen beginnen und es nach Popcorn und Zuckerwatte riecht, dann fängt für Robin Hünecke die schönste Zeit des Jahres an: der Oldenburger Kramermarkt. Seit zwanzig Jahren ist der 36-jährige Polizeihauptmeister wie magnetisch angezogen vom Rummel: „Diese bunte Kirmes-Welt fasziniert mich einfach”, sagt er. Vom ersten Geld der Großeltern zog er als Jugendlicher über den Markt – „ich bin wie verrückt Autoscooter gefahren” – und auch heute noch hat die Liebe zum bunten Jahrmarktstreiben nicht nachgelassen.
Robin Hünecke beschränkt sich allerdings nicht auf den bloßen Kramermarkt-Bummel. Seit einigen Jahren schon hat er seine Leidenschaft mit einem weiteren Hobby verbunden: der Modelleisenbahn. In seiner neun Quadratmeter großen Miniatur-Landschaft bildet das Herzstück – wie könnte es anders sein – ein Jahrmarkt mit über 40 Buden und Fahrgeschäften. Viele davon sind originalgetreu denen auf dem Oldenburger Kramermarkt nachgebaut, Hüneckes großes Ziel ist es, irgendwann einmal den ganzen Markt an der Weser-Ems-Halle im Kleinformat dort aufzubauen.
„Riesenrad, Autoscooter, Kettenflieger und Pferdchen-Karussell sind Modelle, die ich so kaufen konnte. Alles andere muss ich selbst aus Plastikteilen basteln”, erzählt Hünecke. Und damit das Ganze dann auch genauso aussieht wie auf dem Kramermarkt, zieht der 36-Jährige vormittags mit seiner Digital-Kamera über den Platz und fotografiert Buden und Stände. „Die Bilder bearbeite ich dann im Computer und klebe sie als Fassaden vorn auf meine Modelle.” Auf diese Weise sind schon Fisch-Imbiss, Eis-Konditorei, Kasperltheater, Festzelte und der Info-Stand der Schausteller entstanden – nur 160-mal kleiner als die Originale. Als nächstes möchte Hünecke gern das Bayern-Zelt nachbauen, „natürlich mit kleinem NWZ -Stand.”
Ein ganzes Zimmer hat der Vater von zwei Kindern für seine Modelleisenbahn reserviert, „die Kinder lieben das, weil sich die Fahrgeschäfte drehen, die Musik spielt und man sogar die Stimmen von Losbuden-Verkäufern hören kann.” Seine Familie muss in dieser einen Woche im Jahr wohl oder übel auf Robin Hünecke verzichten – „das ist meine heilige Zeit”. Jeden Tag, wenn es sein Schichtdienst erlaubt, findet man den Polizisten bei den Schaustellern, die ihn längst kennen. Seine Kinder – zwei und acht Jahre alt – sind schon genauso Kramermarkt-verrückt wie er, und er selbst ist auch immer noch ganz versessen aufs Karussellfahren.
Sogar im Internet findet man den Jahrmarkt-Fan schon – auf seiner Homepage sind Bilder vom Kramermarkt und ein Lageplan zu finden, sie ist gleichzeitig Anlaufstelle für Gleichgesinnte. „Ich habe Kontakt mit einem Modellbauer aus Nürnberg, der für meine „Spur N”-Bahn Break Dancer und andere Fahrgeschäfte baut.” Das sei sonst schwer zu kriegen, da die gängige Modellgröße bei Eisenbahnen die größere „Spur H0″ sei.
Noch eine andere Kirmes-Leidenschaft hat Hünecke: Er sammelt Chips für Fahrgeschäfte und ist immer auf der Suche nach jemandem, der noch solche alten Fahrscheine zu Hause hat. Und zwei Dinge gehören für ihn zu jedem Kramermarkt-Besuch: „Gebrannte Mandeln und Chili-Poppers!”
„Robins Kirmes-Seiten” unter http://www.hueneckes.de/

Quelle: NWZ vom 05.10.2001